Emmy Noether-Gruppe Aufrichtigkeit


Teilprojekte

Philosophische Grundlagen der Aufrichtigkeit im 18. Jahrhundert (Katerina Mihaylova)

Das erste Teilprojekt untersucht zunächst die moralphilosophischen, aber auch theologischen, anthropologischen und handlungsnormierenden Aspekte des Aufrichtigkeitsdiskurses im 18. Jahrhundert. Ausgehend von den Positionen von Autoren des späten 17. Jahrhunderts wie Pufendorf oder Thomasius werden die Entwicklung und Entfaltung des umfangreichen moralphilosophischen Diskurses der Aufrichtigkeit im 18. und frühen 19. Jahrhundert rekonstruiert, begriffliche Differenzierungen (wie etwa zwischen 'logischer' und 'moralischer' Wahrheit) festgehalten und argumentative Strategien zur Sicherung ihres Status als zentrale Tugend-Kategorie analysiert. Das Teilprojekt thematisiert den Aufrichtigkeitsdiskurs aber nicht nur in einem eng akademischen moralphilosophischen Kontext, sondern berücksichtigt auch seine Ausbreitung und Auswirkung in populären moralischen Monats- und Wochenschriften sowie in Verhaltenslehren. Darüber hinaus werden auch Momente der theologischen Tradition im 18. Jahrhundert, vor allem im Kontext der Begründung einer christlich-bürgerlichen Moral näher betrachtet. 

Aufrichtigkeit in der deutschen Literatur der Goethezeit (Simon Bunke)

Das germanistische Teilprojekt untersucht die deutschsprachige Literatur der Goethezeit. Dabei geht es nicht nur darum, wie literarische Texte von der Frühaufklärung bis zur Frühromantik offene Interaktionsformen inszenieren, sondern auch und vor allem um die ästhetischen Implikationen des neuen Diskurses der Aufrichtigkeit, etwa auf die Lyrik in der zweiten Jahrhunderthälfte.

Komparatistische Dimensionen der Aufrichtigkeit (Antonio Roselli)

Das komparatistische Teilprojekt untersucht Vorbereitungen, Impulse und Nachwirkungen des Aufrichtigkeitsdiskurses, die besonders von der französischen, aber auch von der englischen Literatur ausgegangen sind. Im Zentrum des Teilprojekts steht das Werk Jean-Jacques Rousseaus, einer der wichtigsten Autoren sowohl für eine Diskurs- wie auch für eine Literaturgeschichte der Aufrichtigkeit. Nicht zuletzt hat er die Diskussion der Aufrichtigkeit und ihre literarischen Imaginationen auch in Deutschland entscheidend geprägt. Um diese zentrale Stellung Rousseaus zu bestimmen und von früheren Modellierungen abzugrenzen, soll die Geschichte der Aufrichtigkeit in der französischen Literatur des 17. Jahrhunderts ebenfalls in den Blick genommen werden - besonders in den Ausformulierungen der sincérité als Phänomen des Übergangs und der Krise. Auf die eingehenden Analysen von Rousseaus Texten folgen schließlich noch Ausblicke auf die Nachwirkungen dieser Tradition.

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